Rede von Stadtrat Jan-Peter Röderer zum Wirtschaftsplan 2018 der Stadtwerke

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Reichert, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr verehrte Damen und Herren,

zum Wirtschaftsplan für das Haushaltsjahr 2018 der Stadtwerke Eberbach nimmt die SPD-Fraktion wie folgt Stellung:

Nach den positiven Ergebnissen der letzten drei Jahre weist auch der Wirtschaftsplan der Stadtwerke Eberbach für das kommende Jahr einen leichten Gewinn von 200.000 Euro aus. Das aus eigenen Kräften neu konzipierte Führungsteam unter der Leitung von Günter Haag plant also auch im vierten Jahr in Folge den erfolgreich eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Mit dem Claim "Wir für Eberbach" und dem Ziel der "Manager für Lebensqualität" in unserer Stadt zu sein zeigt man sich dabei betont selbstbewusst. Wurden noch im Wirtschaftsplan 2015 drohende Verluste von über 1 Million Euro in den Jahren 2016 und 2017 angekündigt sind nun auch im Jahr 2018 die Sicherstellung der Finanzierung der kommunalen Geschäftsfelder Bäder, Verkehr, Hafen und Fähre ohne Neuverschuldung, die Erwirtschaftung eines Überschusses zur Stärkung der Eigenkapitalquote sowie die Stabilisierung der Umsätze DIE zentralen Eckpunkte des Wirtschaftsplans. Jedoch sind die Herausforderungen, die es dabei zu bewältigen gilt, nicht geringer geworden, ganz im Gegenteil. Auch weiterhin muss der Investitions- und Instandhaltungsstau abgebaut werden, es stehen immer noch Investitionen in Millionenhöhe an und neue bundesweite Anbieter auf den Energiemärkten werden den Wettbewerb in der Stadtwerkelandschaft noch härter machen. Nur durch eine konsequent fortgeführte Strategie bestehend aus effizientem Energieeinkauf, neuen Vertriebskampagnen zur Stabilisierung und Erweiterung der zuletzt gesunkenen Marktanteile und einer sinnvollen und dringend nötigen Umstrukturierung werden die Stadtwerke Eberbach hierbei langfristig bestehen können. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Stadtwerken im Rahmen der Umrüstung auf LED-Beleuchtung ist hier bereits ein gutes Beispiel für neue Möglichkeiten der Wertschöpfung.

Betrachtet man den Wirtschaftsplan 2018 im Detail sind auch weiterhin die beiden Sparten der Strom- und Gasversorgung die Cash-Cows, also die wichtigsten Einnahmequellen, unserer Stadtwerke.  84% der gesamten Umsatzerlöse fallen auf diese beiden Bereiche. Trotzdem gilt es hier den durch einen härteren Wettbewerb drohenden Verlust von Marktanteilen abzufangen und damit die Gegenfinanzierung der Sparten Bäder und Verkehr zu sichern. Dazu muss auch in den kommenden Jahren die Kombination zwischen klassischem Kundencenter mit Ansprechpartnern vor Ort und einem modernen, weitreichenderen Online-Vertrieb und -Service erweitert werden. Zur Sicherung der Bestandskunden sind die bereits angebotenen Bonizahlungen sicher eine gute Strategie. Um solche Preisnachlässe jedoch auch weiterhin gewähren zu können muss der effiziente Energieeinkauf konsequent zu einer Kernkompetenz der Stadtwerke ausgebaut werden und durch eine kontinuierliche akribische Überwachung des Marktes garantiert werden. Auch der Einstieg in das Feld der E-Mobilität muss dringend forciert und entsprechende Möglichkeiten und Angebote erarbeitet werden.

Zu Beginn wurden bereits die hohen Investitionen angesprochen, die in den kommenden Jahren erforderlich werden. Mit 450.000 € fällt im Wirtschaftsplan 2018 davon der größte Teil auf die ersten Maßnahmen der Neuordnung der Wasserversorgung, um die bekannt gute Wasserqualität und damit ein Stück Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger auch zukünftig zu sichern.

Das Ergebnis der Wärmeversorgung rutschte nach schwarzen Zahlen bis 2015 bereits 2016 leicht in die roten Zahlen, was sich im Wirtschaftsplan für das aktuelle Jahr weiter verstärkte. Im Plan für das kommende Jahr 2018 ist das Betriebsergebnis der Wärmeversorgung nun nochmals um knapp 15.000 € gesunken. Korrekturen sind in diesem Bereich nur denkbar, wenn es gelingt, an geeigneten Standorten Contracting-Lösungen anzubieten und für Firmen sowie in Wohngebieten eine Nahwärmeversorgung schmackhaft zu machen. Hier sollte die ECON wertvolle Unterstützung geben können, um in der Region die Stadtwerke noch weiter zu stärken.

Eines der beiden größten Sorgenkinder der SWE bleiben auch weiterhin die Verkehrsbetriebe. Dennoch ist der ÖPNV in Eberbach aufgrund der topographischen Lage und der vielen Ortsteile auch zukünftig für die Bevölkerung von größter Wichtigkeit, sei es um für die Pendler und Schüler attraktiv zu bleiben, oder auch um für die wachsende Zahl der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger im Alltag die notwendige Mobilität zu gewährleisten. Nach der einstimmigen Entscheidung die Verkehrsbetriebe bis mindestens 2026 weiter in Eigenregie zu führen könnte man meinen, diese Sparte in den nächsten Jahren erst einmal ein wenig außer Acht lassen zu können. Doch auch hier gilt: Stillstand ist Rückschritt. Natürlich müssen auch hier für die Zukunft Lösungen gefunden werden, um die Verluste von einer halben Million Euro deutlich zu senken. Eine weitere Herausforderung, die die neue Leitungsebene bewältigen muss.

Keine Änderung gibt es beim Ranking im Wirtschaftsplan bezüglich des Komplexes der Bäder. Mit einem ausgewiesenen Verlust von fast 850.000 € und damit 70.000 € mehr als 2017 bleibt der Bäderbetrieb das größte Sorgenkind der SWE. Seit einigen Jahren schon ist, neben diesen insgesamt unverändert hohen Verlusten der Bädersparte, das Thema Hallenbad und dessen dringender Sanierungsbedarf ein ständiges Diskussionsthema. Seit 2014 wies mein Fraktionskollege in seiner Stellungnahme zum Wirtschaftsplan der Stadtwerke immer wieder auf die zwingend notwendige Grundsatzentscheidung im kommenden Jahr hin. Getan hat sich seitdem, aus den verschiedensten Gründen, nicht allzu viel. Glücklicherweise blieb bisher der Worst-Case, die Zwangsschließung unseres Hallenbads aus, allerdings muss nun endgültig eine Entscheidung innerhalb der nächsten Monate getroffen werden. Die Grundlage dazu soll eine heute noch zu beschließende Wirtschaftlichkeitsstudie liefern. Die SPD-Fraktion steht dabei ganz klar zum Erhalt der Einrichtung, es bleibt jedoch auch weiterhin die Frage, ob und mit welcher Beteiligung der Stadt ein Neubau oder lediglich eine mittelfristige Sanierung finanziell machbar ist. In jedem Fall müssen aber auch im Bereich der Bäder dringend Konzepte zur Senkung der extrem hohen jährlichen Verluste erarbeitet werden.

Obwohl es einen Hafenbetrieb im eigentlichen Sinne schon seit der Einstellung des Kieshandels nicht mehr gibt, liegt dieses Geschäftsfeld immer noch im Aufgabengebiet der Stadtwerke und beschäftigt regelmäßig sowohl Werksausschuss als auch Mitarbeiter. Im Wirtschaftsplan 2018 weist die Sparte Hafen einen leicht verbesserten Verlust von 33.000 € aus. Verändert hat sich in diesem Bereich in den letzten Jahren jedoch nicht viel. Vorschläge zur zukünftigen Nutzung und Gestaltung des Neckarlauers unserer Stadt am Fluss blieben trotz Lenkungskreis bisher aus und somit auch die Sanierung der Kaimauer. Ein Thema, welches bei der initialen Konzepterarbeitung zu einer Bewerbung für eine kleine Landesgartenschau sicher große Beachtung gefunden hätte.

Auch für das Jahr 2018 ist der Wirtschaftsplan der Stadtwerke Eberbach ohne Neuverschuldung und einem positiven Ergebnis wieder sehr ambitioniert. Zu den bereits angesprochenen Herausforderungen kommen hierbei noch Aufwendungen für IT-Sicherheit sowie die weiteren Maßnahmen zur zukunftsfähigen Umstrukturierung der SWE. Ein zusätzliches Risiko sind außerdem die möglichen Kundenverluste durch härteren Wettbewerb und neue bundesweite Wettbewerber auf den Energiemärkten. Doch Herr Haag hat mit seinen Mitarbeitern bereits einen bis jetzt sehr erfolgreichen Weg eingeschlagen und gezeigt, dass hoch gesteckte Ziele auch erreicht werden können. Unserer Meinung nach haben die Stadtwerke deshalb die richtige Mannschaft an Bord, um auch in den kommenden Jahren die unverändert großen Herausforderungen zu meistern.

Abschließend bedanken wir uns bei Herrn Haag und seinem gesamten Team der Stadtwerke Eberbach für den Einsatz im vergangenen Jahr und stimmen nach eingehender Beratung dem Wirtschaftsplan 2018 der SWE zu.

 

Eberbach, Dezember 2017                                                       Jan-Peter Röderer